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Kurzinfo
Das Zähneknirschen ist eine weit verbreitete Überschussaktivität des
Kausystems, bei der teilweise sehr große Kräfte wirken. Es kann bereits
im frühen Kindesalter in Erscheinung treten. Der Patienten selbst ist
sich seiner Fehlfunktionen meist nicht bewusst, da sie sich während des
Schlafens oder in extremen Konzentrationsphasen zeigen. Nicht nur die
Kiefergelenke, die Kaumuskeln und die Zähne werden überbelastet und
geschädigt. Auch Verspannungen im Kopf-Hals-Bereich sowie Gesichts- und
Kopfschmerzen sind möglich. Verursacht wird das Zähneknirschen durch
psychische Überbelastungen und ggf. störende Gleithindernisse bei
Kaubewegungen. Demzufolge ist ein Einschleifen der Zähne durch den
Zahnarzt bzw. eine Schienentherapie zur Entspannung und zum Schutz der
Zähne sinnvoll. Auch gymnastische Übungen helfen die Kaumuskulatur zu
lockern. Dem psychogenen Auslöser selbst entgegenzuwirken ist oft
schwierig. Leidet der Patient nicht nur unter einer vorübergehenden
Stresssituation, sollte in extremen Fällen eine Psychotherapie in
Betracht gezogen werden. Denn leider entsprechen die zahnärztlichen
Maßnahmen oft nur einer Vermeidung von Schäden und nicht einer
Bekämpfung der Ursache. Ein zum Zähneknirschen neigender Patient sollte
Zeit seines Lebens auf diese Art der Stressbewältigung sein Augenmerk
legen, da sie periodisch immer wieder auftritt, dauerhafte Schäden
hinterlassen kann, jedoch nur schwer zu beeinflussen ist.
Allgemeines - Definition
Zähneknirschen ist die bekannteste Form der Parafunktionen. Unter
diesen versteht man Aktivitäten des Kausystems, die keinem funktionellen
Zweck dienen. So zählen neben dem Zähneknirschen auch Wangen-, Lippen-
und Zungenbeißen, Zähne- und Zungenpressen, sowie das Kauen auf
Objekten, wie z.B. Fingernägeln, Bleistiften etc., zu diesem
Funktionskomplex. Bei gezieltem Nachdenken werden sich viele Menschen
mit Sicherheit bewusst werden, dass auch sie mindestens eine dieser
erzwungenen Bewegungen ausführen. Trotz der erstaunlich hohen
Verbreitung vieler Parafunktionen in der Bevölkerung haben sie meist
keine schwerwiegenden Folgen für das orale System. Anders sieht es
jedoch beim Bruxismus aus.
Mit dem medizinischen Begriff Bruxismus fasst der Zahnarzt sowohl
das Zähneknirschen als auch das Zähnepressen zusammen. Auch wenn die
Hauptüberschrift dieses Textes nur auf den für den Patienten bekannteren
Teil hindeutet, so schließt er die Thematik des unnatürlichen
Aufeinanderpressens der Zähne mit ein.
Unter Bruxismus versteht man ein außergewöhnlich langes, übermäßig
starkes und nicht den natürlichen Kaubewegungen entsprechendes
Aufeinanderbringen der Zähne. Es ist eine sogenannte
Überschussbelastung, die nicht dem Zerkleinern von Speisen dient,
sondern mit leerem Mund stattfindet. Die Zahnhartsubstanz selbst und der
Zahnhalteapparat werden auf Grund der langanhaltenden Dauerbelastungen,
die in dieser Form beim Kauen nicht erzielt werden, verletzt. Neben
Bruxismus am Tage in geistigen Anspannungsphasen tritt er vor allem
nachts auf. In der flacheren Schlafphase, dem so genannten REM (= "rapid
eye movement")-Schlaf, knirscht oder presst der Betroffene die Zähne mit
einer schädigenden Dauerbelastung von 50 bis 70 Sekunden pro Stunde
aufeinander.
Häufigkeit
Studien haben gezeigt, dass Bruxismus in der Bevölkerung stark
verbreitet ist. Bei jedem zweiten 12 Jährigen sind Veränderungen im
Mundraum zu erkennen, die auf derartig erhöhte Muskelbewegungen
hindeuten. Fast alle Erwachsenen zeigen Schlifffacetten an den Zähnen,
die durch irgendwann durchgeführte Parafunktionen entstanden sind. 80%
aller parodontal erkrankter Patienten neigen zu Bruxismus. Ihrem
Zähneknirschen bewusst sind sich jedoch nur 10 bis 20 % der Betroffenen,
wogegen das Zähnepressen etwas intensiver wahrgenommen wird.
Ursachen
Unter den Zahnärzten herrschte lange Zeit der Glaube, dass das
Zähneknirschen durch störende Zahnkontakte beim Kauen ausgelöst werden
würde. Nach deren Entfernung hätte der Bruxismus jedoch verschwinden
müssen. Dies war leider nicht der Fall. Langsam entwickelte sich die
korrekte Theorie, dass die Ursache im zentralen Nervensystem, im
Zusammenwirken mit emotionalem Stress, als psychische Abreaktion zu
finden sei. Folglich ist es auch möglich, das nächtliche Zähneknirschen
als eine Form von Schlafstörung einzuordnen. Kurzzeitige familiäre,
berufliche, o.ä. Stressbelastungen können unter anderem durch Bruxismus
zum Ausdruck kommen. Aber auch schwerwiegendere psychische Erkrankungen
bringen z.T. als Nebenbefund Parafunktionen mit sich. Stetig
weitergeführte Untersuchungen deuten auf nicht nur zentralnervöse,
sondern auch auf periphere Auslöser wie Parodontopathien hin.
Symptome - Diagnose
Der Betroffene selbst bemerkt das Zähneknirschen selten, da die
übermäßigen Belastungen der Zähne meist unbewusst während des Schlafens
ausgeführt werden. Erst wenn sich morgens regelmäßige Verspannungen in
der Gesichtsmuskulatur zeigen, das Kiefergelenk, das Gesicht, der
gesamte Kopf schmerzt, Zähne empfindlicher oder gelockert sind, bzw. im
schlimmsten Fall ein Blick in den Spiegel bereits abgewetzte Zahnkronen
offenbart, registrieren die Patienten eine Fehlbelastung der Mundregion.
Oft nimmt die Kaumuskulatur einen vergrößerten Umfang ein. Zu diesem
Zeitpunkt ist das Krankheitsbild in seinem Ausmaß bereits
fortgeschritten. Weitaus vorteilhafter ist es, wenn das Zähneknirschen
des schlafenden Patienten vom Partner oder anderen Personen wahrgenommen
wird. Wird der Patient frühzeitig auf diese orale Problematik aufmerksam
gemacht, können häufig schwere Schäden abgewendet werden. Leichte
Überanstrengungen der Muskulatur, Kiefergelenksfehlbewegungen ohne
Veränderung der natürlichen Struktur und Zähne mit leichten
Schlifffacetten sind Symptome, die der Bruxismus im Anfangsstadion mit
sich bringt.
Therapie
Eine vom Zahnarzt speziell angefertigte Aufbissschiene
Noch ist leider keine Therapie bekannt, einen unter Bruxismus leidenden
Patienten von seinen Fehlfunktionen zu befreien. Andererseits besteht
die Möglichkeit, die sich aus dem Knirschen ergebenden Beschwerden zu
lindern und Folgeschäden zu vermeiden. Durch den Zahnarzt speziell
gefertigte Schienen, mit welchen die Zahnreihen geschützt werden, und
ggf. Einschleifen störender Zahnkontakte helfen aber das Ausmaß der
Fehlbelastung zu verringern. Der Betroffene sollte nicht nur nachts,
sondern auch, wenn möglich, tagsüber die durchsichtige Aufbissschiene
tragen. Gymnastische Übungen helfen, die Kaumuskulatur zu entspannen.
Wichtig ist aber ebenso, den Patienten auf seine Problematik
hinzuweisen, so dass er sich seiner Parafunktionen bewusst wird. Eine
Art Kalender, in den der Patient die von ihm registrierten oralen
Überaktivitäten notiert, ist oft hilfreich. Auch wenn dies am
nächtlichen Zähneknirschen nichts ändert, so lassen sich aber die
unbewussten Gewohnheiten während des Tages positiv beeinflussen. Der
Betroffene wird sensibler und übernimmt vermehrt bewusste Steuerungen.
Stehen eindeutig extreme psychogene Faktoren als Ursache fest, so sollte
der Zahnarzt den Patienten vorsichtig motivieren, den Weg zum
Psychologen nicht zu scheuen. Der Patient profitiert oft von einer
abgestimmten Zusammenarbeit beider medizinischer Fachrichtungen.
Prophylaxe
Wie bereits erwähnt, führt fast ein jeder im Laufe des Lebens
Parafunktionen aus. Dass ein gewisses Ausmaß nicht überschritten wird,
ist auf Grund des Auftretens im Unterbewusstsein jedoch nicht zu
vermeiden. Daher kann dem Zähneknirschen anfänglich nicht vorgebeugt
werden.
Prognose
Zeigen sich zu Parafunktionen neigende Patienten stets sensibel und
bewusst entgegenwirkend in Bezug auf ihre oralen Überaktivitäten, sind
schwere Schäden im Mundraum zu vermeiden. Natürlich ist es nicht
einfach, diese Aufmerksamkeit ein Leben lang zu praktizieren. Aber die
Erfahrungen zeigen: wenn nicht komplexe psychogene Krankheitsbilder den
Bruxismus auslösen, ist dies erfolgreich möglich |